Bundesliga

2021-01-28T10:25:00Z

Gladbach gegen Dortmund in der Taktik-Analyse

Gladbachs Denis Zakaria beginnt zunächst in der Abwehr und wechselt im späteren Verlauf der Partie ins Mittelfeld
Gladbachs Denis Zakaria beginnt zunächst in der Abwehr und wechselt im späteren Verlauf der Partie ins Mittelfeld

Simon Rolfes ist Direktor Sport bei Bayer 04 Leverkusen, hat zwischen 2005 und 2015 insgesamt 288 Bundesliga-Spiele bestritten und trug 26 Mal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. An dieser Stelle schreibt er wöchentlich über die neuen, innovativen Match Facts, die von AWS für die Bundesliga während der Spiele bereitgestellt werden. Diesmal gibt es eine taktische Betrachtung der spektakulären Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund am vergangenen 18. Spieltag.

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Von Simon Rolfes

Das Verfolgerduell am vergangenen Freitag zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund war ohne jeden Zweifel eines der spektakulärsten Spiele dieser Saison. Nicht nur wegen der sechs Treffer, sondern auch aufgrund des hohen Tempos und dem Auftreten beider Mannschaften mit offenem Visier.

Beide Trainer reagierten auf die Tore dabei immer wieder mit taktischen Anpassungen. Mit einem Blick auf die Realformation lässt sich die Spielgeschichte dieser Begegnung anschaulich rekonstruieren.

Gladbach von Beginn an im ungewohnten 3-4-1-2

Gladbach überraschte dabei von Beginn an mit einer für sie ungewöhnlichen Formation. Während die Mannschaft von Marco Rose in dieser Saison fast immer mit Viererkette gespielt hat, trat sie nun zu Beginn mit einer Dreierkette rund um "Libero" Denis Zakaria (Nr. 8) auf. Der Schweizer, in dieser Partie mit 32,63 km/h schnellster Spieler auf dem Platz, brachte zum einen genügend Tempo mit, um es mit Dortmunds schnellem Mittelstürmer Erling Haaland aufzunehmen, zum anderen konnten sich die Außenverteidiger Ramy Bensebaini (Nr. 25) und Stefan Lainer (Nr. 18) durch diese zusätzliche Absicherung deutlich offensiver als gewohnt postieren.

Realformation nach 18 Minuten: Gladbach drängt Dortmund tief in die eigene Hälfte

Trend: Abwehrspieler werden immer schneller

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Ein erfolgreicher Schachzug: Wie hier in der Realformation nach 18 Minuten gut zu sehen ist, war Gladbach in der Lage, den BVB in der Anfangsphase tief in die eigene Hälfte zu drängen. Während sich bei Gladbach nur die drei Innenverteidiger durchschnittlich in der eigenen Hälfte aufhielten, war bei Dortmund in dieser Phase einzig Mittelstürmer Haaland (Nr. 9) realtaktisch in der gegnerischen Hälfte unterwegs. Die enorme Druckphase der Gladbacher zu Beginn wurde fast folgerichtig mit dem Führungstreffer durch Nico Elvedi in der 11. Minute belohnt.

Die Highlights des Spiels im Video:

Das hohe Tempo konnten die Hausherren im Anschluss aber nicht halten. Dortmund kam fortan besser ins Spiel. Haaland entwischte Zakaria in den richtigen Momenten und konnte einen Doppelpack zur kurzen BVB-Führung schnüren. Gladbach hingegen konnte sich in dieser Partie vor allem auf ihre Stärken bei ruhenden Bällen verlassen: Elvedi markierte noch vor der Pause den Ausgleichstreffer – mit einem von drei Gladbacher Standard-Toren an diesem Abend.

Nach 65 Minuten hat Gladbach von Dreier- auf Viererkette umgestellt und agiert tiefer

Nach dem erneuten Führungswechsel durch Gladbachs Linksverteidiger Ramy Bensebaini änderte sich die taktische Marschroute. Marco Rose zog Zakaria von der Innenverteidigung ins defensive Mittelfeld, um das Zentrum fortan mit drei Sechsern (hier im Bild Nr. 32 Neuhaus, Nr. 6 Kramer und Nr. 8 Zakaria) zu verdichten. Mit einer tief stehenden Formation reagierte Gladbach in Führung abwartend, um auf eigene Konter zu lauern. Dortmund wiederum tat sich mit dieser Umstellung des Gegners in der Offensive schwer, behielt die 4-2-3-1-Formation aber auch in dieser Phase konsequent bei, wie in diesem Schaubild deutlich zu sehen ist.

In der Schlussphase riskiert Dortmund mit drei Mittelstürmern und drei offensiven Mittelfeldspielern alles

Erst nach dem 4:2 durch Marcus Thuram, ebenfalls nach einer Ecke, kam Dortmund taktisch aus der Reserve, dann aber umso radikaler. So versuchte Trainer Erdin Terzic in der Schlussphase gleich mit drei Mittelstürmern (Tigges, Moukoko und Haaland: Nr. 27, Nr. 18 und Nr. 9) und drei offensiven Mittelfeldspieler dahinter (Sancho, Reyna und Brandt: Nr. 7 Nr. 32 und Nr. 19) noch zum Anschlusstreffer zu kommen. Dafür opferte er einen Rechtsverteidiger und einen zweiten Sechser. Die Mühen waren aber vergebens. Gladbach verteidigte im 4-2-3-1 in der Schussphase zu konsequent.

Das Beispiel dieser munteren Partie am Freitagabend zeigt also deutlich auf, wie sehr Tore ein Spiel verändern können. Die Betrachtung von Realformationen einzelner Sequenzen könnte künftig viele Einblicke in taktische Reaktionen der Trainer auf den Spielverlauf ermöglichen.

>>> Simon Rolfes über xGoals
>>> Simon Rolfes über die Realformation
>>> Simon Rolfes über den Speed Alarm

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